Taube und Wolke

Eine Taube sitzt in einer unbelaubten Birke, im Hintergrund dunkle Wolken und helle Himmelsstreifen

In der Birke sitzen oft Tauben, so auch heute vormittag vor schönen Wolken. Was mich auf die Idee brachte, mal nach Gedichten mit Tauben und Wolken zu suchen. Klabund, der eigentlich Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke hieß und von 1890 bis 1928 lebte, hat 1916 eines im Band „Himmelsleiter“ veröffentlicht:

Türmer und Taube

Lass mich fühlen, was ich glaube!
Lass mich glauben, was ich fühle!
Hebe dich, entsandte Taube,
Bis zu meinem Turmgestühle.

Körner streu ich unterm Bogen,
Wo der Schnee sie nicht beachtet.
Zeige schwebend dich gewogen
Dem, der deinen Herrn verachtet.

Gibt es Tauben nicht, die lachen?
Gibt es Tauben auch, die weinen?
Alt und älter muss ich wachen
In den Mond- und Sonnenscheinen.

Rufe ich des Nachts die Stunden –
Alles schläft im Stubenstickicht.
Nur die weissen Vagabunden
Wehn wie Winde durch das Dickicht.

Einmal soll ich Feuer blasen:
Doch ich will, dass Feuer werde.
Rötlich auf dem grünen Rasen
Tanzen Herrin, Hirt und Herde.

Bis das Licht zu den Gebälken
Meines Turms sich blühend windet,
Müssen Dorf und Stadt verwelken,
Und der Wald selbst steht entzündet.

Taube! Wolke! Flieh den Wächter!
Flieg zum Himmel, den ich kenne!
Schon schlägt feuriges Gelächter
Aus dem Mund mir und ich brenne.

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