Prometheus

Himmel mit einer dunklen Wolkendecke
Da zieht was auf

Beim Blick in den nachmittäglichen Himmel fiel mir Goethes „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ ein. Es ist der Beginn eines seiner bekannteren Gedichte, mit dem ich mich während des Studiums beschäftigt habe: „Prometheus“.

Geschrieben hat er es in der Sturm-und-Drang-Zeit zwischen 1772 und 1774, es erschien 1789 (Google bietet einen Scan des Drucks). Die spätere, vor 1779 geschriebene Fassung weicht nicht wesentlich ab.

Bei „always poet“ kann man Burghart Klaußner das Gedicht rezitierend sehen und hören.

Nachmittags regnete es dann auch.

Wer das Gedicht lesen möchte, klicke auf

Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehen
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Gluth
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts ärmers
Unter der Sonn‘ als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt‘ ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär‘
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie mein’s,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
Wider der Titanen Übermuth?
Wer rettete vom Tode mich,
von Sklaverey?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blüthenträume reiften?

Hier sitz‘ ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sey,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

Bei Wikipedia gibt es einen Beitrag zum Gedicht.

Eine Antwort auf „Prometheus“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.