Ihr habt es so gewollt, Wolken!

Der Kölner Fernsehturm vor hellblauem, wolkenlosem Himmel

Und ein weiterer trostlos-langweiliger Himmelstag geht vorbei. Da hilft nur noch ein schlechter Wolken-Witz:

Was haben Wolken und Männer gemeinsam?
Wenn sie sich verziehn, kann es noch ein schöner Tag werden!

Tja, genauso witzig wie ein Tag ohne Wolken. Seufzzz.

Immerhin gibt der Mond sich alle Mühe. Auch wenn er sich nicht an Heines Geidcht hält:

Auf den Wolken ruht der Mond. Schön wär’s.

Der fast volle Mond an abendlich-blauem Himmel

Nimbus. Auch als Buch.

Dunkle und helle Wolken, etwas blauer Himme, unten eine unbelaubte Birkenkrone

Heute vormittag gab es noch schöne Wolkenziehereien, bevor dann die Regenwolken auftauchten. Passend, denn heute erschien bei Suhrkamp ein neuer Gedichtband von Marion Poschmann mit dem Wolken-Titel Nimbus.

Der Pressetext verrät unter anderem:

Nimbus, die dunkle Wolke, ist eine Erscheinung aus Schwung, Pracht, Weite, und doch gehört sie dem Formlosen, Ungreifbaren. Sie entfaltet Wirkung, sie bestimmt die Atmosphäre, zugleich entzieht sie sich, bleibt unbeherrschbar. Mit festem Griff und Subtilität, Witz und Zärtlichkeit unternimmt Marion Poschmann in ihren neuen Gedichten den Versuch, Nähe und Ferne zusammenzudenken und die maßlosen Kräfte der äußeren Gegenwart in einen Raum der Innigkeit zu verwandeln. (…)

Nun ja, eine Wolkenform als Buchtitel ist auf jeden Fall schon erfreulich. Eine etwas lieblos aufbereitete Leseprobe (PDF) gibt es auch.

Grauer Sonntag

Dunkelgraue Wolken, einige helle Flächen dazwischen, im Vordergrund unten die Baumkrone einer unbelaubten Birke
Nachmittags wurde der Himmel etwas differenzierter.

Beim durchgängig grauen Morgenhimmel fiel mir mal wieder – nicht besonders originell – das 1852 geschriebene Gedicht „Die Stadt“ von Theodor Storm ein:

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn‘ Unterlass;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

So wie das Gedicht wurde nachmittags dann auch der Himmel etwas differenzierter.

Regentropfen …

Dunkle Regenwolken
Regenwolken können auch zu einem gemütlichen Vormittag beitragen

Heute vormittag habe ich es genossen, bei kräftigem Regen einfach im Bett zu bleiben und dem Prasseln auf der Fensterbank zu lauschen. Zwischendurch kamen die tapferen Eichhörnchen vorbei, um sich ein paar Walnüsse abzuholen. Insgesamt ein schlichter Tagesbeginn. Zu dem paßt auch ein Gedicht der eher grauenhaften Versschmiedin Friederike Kempner, das ich bei der Deutschen Gedichtebibliothek gefunden habe:

Schwarze Wolken, graue Wolken

Schwarze Wolken, graue Wolken,
Grau der Kummer, schwarz der Kampf,
Sieh’, dort unter grünen Bäumen
Steigt herauf ein weißer Dampf.

Blauer Himmel, goldne Sterne,
Güt’ger Allmacht Zauberlicht,
Strahlend, wachend in der Ferne,
Herr und Gott verlaß mich nicht!

Wobei mir wieder das wunderbar geseufzte „Nein, bitte nicht …“ von Christian Brückners „Rilke“ einfällt, als Ruth Hellberg in der Rolle der Friederike Kempner wieder einen ihrer Reime zimmern will. Zu hören ist das in einem der wunderbaren Hörspiele von Ingomar von Kieseritzky, nämlich Korridor 2009 oder Die Dekomposition, das Heinz von Cramer inszeniert hat.

Nun ja, und hier noch das Lied zum Beitrags-Titel.

Taube und Wolke

Eine Taube sitzt in einer unbelaubten Birke, im Hintergrund dunkle Wolken und helle Himmelsstreifen

In der Birke sitzen oft Tauben, so auch heute vormittag vor schönen Wolken. Was mich auf die Idee brachte, mal nach Gedichten mit Tauben und Wolken zu suchen. Klabund, der eigentlich Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke hieß und von 1890 bis 1928 lebte, hat 1916 eines im Band „Himmelsleiter“ veröffentlicht:

Türmer und Taube

Lass mich fühlen, was ich glaube!
Lass mich glauben, was ich fühle!
Hebe dich, entsandte Taube,
Bis zu meinem Turmgestühle.

„Taube und Wolke“ weiterlesen

„Himmel grau und wochentäglich!“

graue Wolken

Zum heutigen Wolkenfoto fand ich ein ganz schönes, wenn auch böses Gedicht von Heinrich Heine:

XLIV.

Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.

Lange Nasen, noch langweilig
Werden sie wie sonst geschneutzet,
Und das duckt sich noch scheinheilig,
Oder bläht sich, stolz gespreitzet.

Schöner Süden! wie verehr’ ich
Deinen Himmel, deine Götter,
Seit ich diesen Menschenkehricht
Wiederseh, und dieses Wetter!

Es findet sich im 1844 erschienen Band „Neue Gedichte“: Das ist natürlich voll ungerecht gegen Hamburg …

Damit auch die andere Seite zur Sprache kommt: City Blues von den Beginnern ist eines meiner Lieblingslieder über Hamburg, das ich auch gern auf Repeat stelle.

Prometheus

Himmel mit einer dunklen Wolkendecke
Da zieht was auf

Beim Blick in den nachmittäglichen Himmel fiel mir Goethes „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ ein. Es ist der Beginn eines seiner bekannteren Gedichte, mit dem ich mich während des Studiums beschäftigt habe: „Prometheus“.

Geschrieben hat er es in der Sturm-und-Drang-Zeit zwischen 1772 und 1774, es erschien 1789 (Google bietet einen Scan des Drucks). Die spätere, vor 1779 geschriebene Fassung weicht nicht wesentlich ab.

Bei „always poet“ kann man Burghart Klaußner das Gedicht rezitierend sehen und hören.

Nachmittags regnete es dann auch.

Wer das Gedicht lesen möchte, klicke auf „Prometheus“ weiterlesen